Alles andere als ein Märchenabend

Trauerbegleiterin Ursula Frühauf setzt auf die Kraft von Märchen in der Sterbebegleitung

Dass Märchen Lebenshilfe sein können, steht für Ursula Frühauf außer Frage. Und zwar gerade dann, wenn das Leben an seine Endlichkeit gelangt ist. Was in Märchen steckt und welche Kräfte sie auch im Angesicht des Todes freisetzen können, bewies die Trauerbegleiterin bei einem Informationsabend des Ökumenischen Hospizkreises im Stift Eidingsen.

Bietet Anregungen für die Arbeit im Hospiz: Die Osnabrücker Trauerbegleiterin Ursula Frühauf.

„Märchen sind fast allen Menschen vertraut und bekannt“, weiß Ursula Frühauf, die im Osnabrücker Hospiz für die soziale Leitung zuständig ist. Und noch etwas lässt sich verallgemeinern: „Die meisten Menschen erinnern sich auch im fortgeschrittenen Alter noch ganz genau an die Situation, in der sie ihnen erzählt wurden. Und verbinden diese Situation mit einem Wohlgefühl“. Genau das bietet für Mitarbeiter in der Hospizarbeit eine Chance, zu  ihren Schützlingen  einen engeren Kontakt aufzubauen. „Märchen als ein Baustein für eine gelungene Biografiearbeit“, nennt die Trauerbegleiterin das.

Mitarbeiter des Ökumenischen Hospizkreises und ehrenamtliche Helfer waren  zu dem Informationsabend unter dem Motto „In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat…. – Märchen in der Lebens- und Sterbebegleitung?!“ gekommen, um sich Anregungen für ihre tägliche Arbeit zu holen. Was sie erlebten, war alles andere als ein Märchenabend.  Denn die sagenumwobenen Erzählungen können durchaus eine Hilfe sein, wenn es darum geht, dem Tod und der Trauer zu begegnen. „Märchen können eine Möglichkeit sein, mit Menschen in einer lebensbedrohlichen Situation ins Gespräch zu kommen“, weiß Ursula Frühauf. Und liefert den Grund gleich hinterher: „Märchen erzählen von einer anderen Welt. Sie klingen nach und weiten die innere Welt“. Auch wenn Hospiz-Mitarbeiter den Trauernden mit Märchen ihre Trauer nicht abnehmen können, können sie ihnen aber mit Hilfe der Erzählungen Mut machen, sich ihrer Trauer zu stellen, so die Kernaussage des Informationsabends.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um bekannte oder unbekannte Märchen handelt. Denn der Auftrag  der Erzählungen heißt: „Lauf nicht weg, sondern schau dir an, was dir Angst macht“. Ursula Frühauf selbst bevorzugt die unbekannten Märchen.  „Meine liebste Erzählung ist das  Märchen von der Skelettfrau, aber das darf ich im Zusammenhang  mit Hospizarbeit eigentlich gar nicht erwähnen“, gibt die Trauerbegleiterin zu. 

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